In aller Freundschaft..

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Enchen
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In aller Freundschaft..

Ungelesener Beitragvon Enchen » Do 29. Mär 2012, 02:31

Hallo zusammen,

Wurde heute von meiner Mama (die die Serie immer begeistert anschaut) auf eine Folge der ARD-Serie "In aller Freundschaft aufmerksam gemacht.
Kurz zur Serie: Sie spielt in einer Klinik und Hauptfiguren sind Ärzte, Schwestern und alles was da so bei denen passiert. Nebenher gibt es auch immer einen Patienten mit einer nebulösen Krankheit, die glücklicherweise immer diagnostiziert werden kann ;)
Und nun gab es wohl gestern Abend eine Folge, in der es um einen jungen Mann geht, bei dem sich am Ende rausstellt, dass er Narkolepsie hat.

Habe mir heute Nachmittag dann die Folge gespannt angesehen und bin zu einem Urteil gekommen, das ich jetzt noch nicht vorweg nehmen will, da ich zuerst gerne eure jeweiligen Reaktionen sehen (bzw. lesen) würde.

Das heißt, wer Zeit hat, einfach mal reinschauen, kostet zwar 45Min der kostbaren Zeit, es würde mich aber wirklich sehr interessieren, was so die Meinung zu der ARD-Darstellung von Narkolepsie ist.

Hier ein Link direkt zu dem Video:

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/ ... Id=9954874

Falls das nicht funktioniert, die Folge heißt "Auf Biegen und Brechen" und ist auf der Website von ARD als Stream verfügbar.

Ich bedanke mich im Vorraus für eure Zeit und Mühe,

Liebe Grüße,

Enchen

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somnueschen
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Re: In aller Freundschaft..

Ungelesener Beitragvon somnueschen » Do 29. Mär 2012, 16:57

Hallo, ich hab mir gerade die Narkolepsie-Folge reingezogen, vielen Dank für den Hinweis, enchen!

Ich tue mich schwer mit einem Urteil über die Darstellung der Narkolepsie in dieser Serie. Ich kenne
nämlich keinen anderen Narkoleptiker persönlich und weiß, dass die Krankheit bei jedem anders
ausgeprägt sein kann.

Allerdings halte ich es für unglaubwürdig, dass ein Narkoleptiker im Stehen bzw. Gehen einschläft,
sofern er sich in einer derart spannungsgeladenen Situation befindet (Bitte um Beistand beim
Eintritt ins Krankenhaus bzw. Flucht vor dem Unfallopfer). Ich bin selber schon im Gehen eingeschlafen,
aber nach einer längeren Autofahrt, einem ausgiebigen Mittagessen und bei großer Hitze bergab gehend!
Sollte hier eine Kataplexie dargestellt sein, so hätte der junge Mann sicherlich keine Erinnerungslücken
haben dürfen.
Der ungeschickte Griff nach der Tasse, naja, okay, fehlt mir auch der emotionale Auslöser.
Der Sekundenschlaf im Bett war nach meinem Geschmack auch zu abrupt, aus anscheinend guter
Wachheit heraus erscheint mir das fragwürdig, es fehlt der Kampf mit der Müdigkeit, der bei genauem
Hinsehen sicher erkennbar ist.
Nicht schlecht fand ich das Bemühen, die Ohnmachtsgefühle des unerkannt Kranken durch seine Wut
zu versinnbildlichen. Sein Scheitern bei der Ausbildung, das Herabsetzen durch Verwandte und Bekannte
und die Selbstzweifel zeigen einen wichtigen Problembereich der Krankheit. Schlicht aber nicht schlecht
dargestellt, oder?

Meiner Meinung nach hat man sich bemüht aber keinen großen Wert auf Details gelegt. Immerhin kamen
dem schicken jungen Arzt die Wörter "Narkolepsie" und "Kataplexie" geschmeidig über die Lippen,
ist das nicht schön?

Zumindest wird der Krankheitsbegriff allmählich bekannter, man kann wohl nicht erwarten, dass ein
detailliertes Wissen über diese komplizierte Krankheit zur Allgemeinbildung gehören wird.

Was meint Ihr?
somnueschen

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wohnt in einer dunklen stillen Höhle, durch die der Fluss des Vergessens fließt
verleiht den Schlummer durch sanftes Wehen seiner Schwingen
befreit die Herzen von Sorgen durch sein Füllhorn voll Träume

Enchen
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Re: In aller Freundschaft..

Ungelesener Beitragvon Enchen » Do 29. Mär 2012, 21:04

Wow, ich bin mal wieder begeistert von dir somnues(s)chen ;) Danke für die schnelle Antwort!

somnueschen hat geschrieben:Ich tue mich schwer mit einem Urteil über die Darstellung der Narkolepsie in dieser Serie. Ich kenne
nämlich keinen anderen Narkoleptiker persönlich und weiß, dass die Krankheit bei jedem anders
ausgeprägt sein kann.

Ja, das ging mir ähnlich, deswegen habe ich es gepostet und um Meinungen gebeten.

somnueschen hat geschrieben:Allerdings halte ich es für unglaubwürdig, dass ein Narkoleptiker im Stehen bzw. Gehen einschläft,
sofern er sich in einer derart spannungsgeladenen Situation befindet

Auch da stimme ich dir voll und ganz zu!

somnueschen hat geschrieben:Sollte hier eine Kataplexie dargestellt sein, so hätte der junge Mann sicherlich keine Erinnerungslücken
haben dürfen.

Das war der Punkt, wo ich zum ersten Mal etwas skeptisch wurde.. Auch, dass er seine Schlafattacken nicht mitbekommt kam mir irgendwie spanisch vor. Also ich weiß IMMER, dass ich gerade geschlafen habe!

somnueschen hat geschrieben:Der ungeschickte Griff nach der Tasse, naja, okay, fehlt mir auch der emotionale Auslöser.

Hier finde ich es einfach schade, dass zwar m.E. nach einerseits diese "Mini"-Kataplexie wirklich ziemlich gut dargestellt wurde (meine leichten Katas sind genau so und äußern sich genau so!) aber andererseits fehlt, wie du sagst ganz klar der Trigger. Gleichzeitig wird aber der Protagonist dann in diversen stark emotionalen Situationen gezeigt, in denen er dann aber keine hat (wo ich in so einer Situation schon keinerlei Gesichtsausdruck und völlig wabbelige Knie hätte!), zB. gerade wenn er sich so aufregt, oder als seine Freundin Schluss macht, usw. Da habe ich (vergeblich) auf eine Kataplexie gewartet..
Gut umgesetzt, falsch eingesetzt, echt schade!

somnueschen hat geschrieben:Der Sekundenschlaf im Bett war, verglichen mit meinen Erfahrungen viel zu abrupt, aus anscheinend guter
Wachheit heraus erscheint mir das fragwürdig, es fehlt der Kampf mit der Müdigkeit, der bei genauem
Hinsehen sicher erkennbar ist.

Auch hier bin ich absolut d'accord! :)

somnueschen hat geschrieben:Nicht schlecht fand ich das Bemühen, die Ohnmachtsgefühle des unerkannt Kranken durch seine Wut
zu versinnbildlichen. Sein Scheitern bei der Ausbildung, das Herabsetzen durch Verwandte und Bekannte
und die Selbstzweifel zeigen einen wichtigen Problembereich der Krankheit. Schlicht aber nicht schlecht
dargestellt, oder?

Hmm, da muss ich widersprechen. Ich kenne dieses grantig-werden in so manchen "müden" Situationen. Aber diese brutale Aggression zeigt sich bei mir ausschließlich Ärzten gegenüber. Das würde ich allerdings nur im weitesten Sinne als Symptom der Narkolepsie sehen (nämlich nur, wenn man die ärztliche Inkompetenz mit der man bombadiert mit in die Liste der Symptome aufnimmt :mrgreen: ).

somnueschen hat geschrieben:Meiner Meinung nach hat man sich bemüht aber keinen großen Wert auf Details gelegt. Immerhin kamen dem schicken jungen Arzt die Wörter "Narkolepsie" und "Kataplexie" geschmeidig über die Lippen, ist das nicht schön?

Mhm, das dachte ich mir auch. Schön wärs :roll:

somnueschen hat geschrieben:Zumindest wird der Krankheitsbegriff allmählich bekannter, man kann wohl nicht erwarten, dass ein
detailliertes Wissen über diese komplizierte Krankheit zur Allgemeinbildung gehören wird.

Da hast du schon Recht, allerdings muss ich sagen, gerade bei so einer Vorabend-Sendung finde ich es schon bedenklich, wenn nicht auf Details geachtet wird. Denn (so schön es ist, dass es überhaupt thematisiert wird!) die Leute (und wir reden hier von ARD-Publikum :!: :P ) nehmen das auf und glauben dann, aufgrund dessen was da gezeigt wird, Bescheid zu wissen.
So schafft man Vorurteile und gefährliches Halbwissen und ich muss sagen ich hätte es schön und wichtig gefunden, wenn hier ein wenig mehr Wert auf eine richtige Darstellung gelegt worden wäre.

Was mich aber wirklich so richtig geärgert hat war der Schluss. Diese Aussage "Jetzt wird alles gut!", also, ich bin sicher kein verbitterter Mensch, aber DAS fand ich wirklich, wirklich schwach!

Ich persönlich habe die Erfahrung machen müssen, dass die Diagnostik zwar auch schon wirklich schwer ist, aber für mich war das noch das einfachste.
Bitte entschuldigt meine Wortwahl, aber wenn man es dann doch mal zur Diagnose geschafft hat.. Naja, ich finde DANACH fängt die ganze Scheiße doch überhaupt erst mal richtig an!

Mein Fazit war: Unheimlich toll, dass die Aufklärungsarbeit offensichtlich funktioniert und sich nicht nur auf das rein medizinische, sondern es auch in die "Vorabendunterhaltung" geschafft hat. Aber wenn, dann bitte richtig. Die meisten Leute glauben das, was im Fernseher gesagt wird vorbehaltlos, von daher ist gut gemeint halt leider doch schlecht gemacht.

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Re: In aller Freundschaft..

Ungelesener Beitragvon binmüde » Fr 30. Mär 2012, 04:25

Hallo Enchen,
hallo somnueschen,

ich habe mir das vorhin auch mal mit meiner Frau angeschaut. Danke für den Link.
Ich beurteile das auch weitgehend wie ihr.

Spannungsgeladene Situation und Einschlafen - das geht eher so nicht. Emotion, Kataplexie und anschließend einschlafen geht schon, dann aber mit Erinnerung an die Emotion und die Kataplexie und das Aufwachen.

Wie plötzlich das Einschlafen "aus anscheinend guter Wachheit heraus" sein kann, wurde mir bei einem Krankhausaufenthalt deutlich. Im angeregten Gespräch mit dem Bettnachbarn bin ich - er sagte anschließend zum Arzt "mitten im Satz" - eingeschlafen. Ich erinnere mich an den Anfang des Gesprächs und das Aufwachen.

Einschlafen ohne es mit zu bekommen, das hatte ich schon mehrfach. Automatisches Handeln und Übergang in Schlaf auch. Aber beim Aufwachen bemerke ich "das Aufwachen" und folgere messerscharf daraus, dass ich mal wieder eingeschlafen war. Da teile ich also Eure Bedenken.

Die Zuordnung des Triggers (der Emotion) zu einer Kataplexie ist von außen nicht so einfach zu erkennen. Beispiel: Erst hatte ich mir einen Splitter unter einen Fingernagel gerissen und mich über die mangelhafte Verarbeitung eines Möbelstücks geärgert, dann den Splitter entfernt und mich wieder an die Arbeit gemacht. Dabei kam der Gedanke an den Murks nochmals hoch - und die Muskeln gaben nach und ich bin hart auf dem Boden gelandet.

Thema Ärzte: völlig unglaubwürdig ist die Geschwindigkeit, mit der hier die Diagnose gestellt wurde ( :lol: ). Im echten Leben gehören viel mehr Irrwege und das Beharren auf Fehleinschätzungen dazu. Andererseits schaffen die Krimi-Polizisten die Aufklärung wildester Verbrechen auch in unter einer Stunde. Film-Ärzte können das also doch schaffen.

Dass die Darstellung einer Krankheit in so einer Sendung nur sehr bedingt "richtig" ist, sollte nicht verwundern. In Krimis wurden schon ganze Patronen (nicht nur das Projektil, die Kugel) aus den Opfern herausoperiert, in einem Spielfilm wurden Züge von Elektro-Lokomotiven aus den 1980er Jahren gezogen und dann - die Handlung spielte im Zweiten Weltkrieg - von Partisanen beschossen. Und von Armbanduhren bei den alten Römern (Ben Hur) und Flugzeuge am Horizont bei Bonanza habt ihr vielleicht auch schon gehört. Je mehr man sich mit etwas auskennt, je mehr Fehler findet man in Berichten und Artikeln zum fraglichen Thema.

Wie somnueschen richtig sagt, der Begriff wird bekannter und das ist schon mal gut. Mit Details kann man den Zuschauern nicht kommen, dann wird es denen zu kompliziert. Und Ärzte und Krankenpfleger werden die Behandlung auch nicht auf die Sendung abstützen.

"Jetzt wird alles gut!" - das Happy-End gehört einfach dazu. Ob realistisch oder nicht. Dann kommt der Abspann und das Leben geht weiter. Mit den richtigen Medikamenten und angepasster Lebensweise wird alles "normal" - bei mir hat das jedenfalls nicht funktioniert.

Gruß
binmüde
...
Narkolepsie ist eine faszinierende Erkrankung - die Symptome sind faszinierend - die Wissenschaft ist faszinierend - manchmal erscheint das alles nur unglaublich oder bedrohlich - es ist aber jedenfalls nicht langweilig
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somnueschen
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Re: In aller Freundschaft..

Ungelesener Beitragvon somnueschen » Fr 30. Mär 2012, 12:24

binmüde hat geschrieben:... Einschlafen ohne es mit zu bekommen, das hatte ich schon mehrfach. Automatisches Handeln und Übergang in Schlaf auch. Aber beim Aufwachen bemerke ich "das Aufwachen" und folgere messerscharf daraus, dass ich mal wieder eingeschlafen war. Da teile ich also Eure Bedenken.
... "Jetzt wird alles gut!" - das Happy-End gehört einfach dazu. Ob realistisch oder nicht. Dann kommt der Abspann und das Leben geht weiter. Mit den richtigen Medikamenten und angepasster Lebensweise wird alles "normal" - bei mir hat das jedenfalls nicht funktioniert.

Gruß
binmüde


Hallo binmüde,

das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt: Einschlafen, ohne es zu bemerken, passiert tatsächlich,
aufwachen, ohne zu erkennen, dass man geschlafen hat, - nee.

Das mit der "Normalisierung" haut bei mir auch nicht hin. Im Endeffekt wirft einen die ständige
Erschöpfung auf einen starken Willen zurück, mit dem man sich selbst zum Durchhalten animiert.
Ich habe das Gefühl, unglaublich stur geworden zu sein. Trotzdem fühle ich nach mehreren
Jahrzehnten Krankheit meinen Willen immer öfter erlahmen. Geht anderen das auch so?

Viele Grüße
somnueschen

Der römische Gott Somnus
wohnt in einer dunklen stillen Höhle, durch die der Fluss des Vergessens fließt
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binmüde
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Re: In aller Freundschaft..

Ungelesener Beitragvon binmüde » Sa 31. Mär 2012, 01:19

Hallo somnueschen,

aufgeben kommt nicht in Betracht. Also bleibt nur immer wieder das Aufrappeln. "Alternativlos", um so einen modischen Begriff zu nehmen, denn nur Abhängen und langsam vergammeln will ich mir nicht mal vorstellen.

Für das 1. Quartal hatte ich ganz detailliert mehrere Tagesausflüge und Mini-Reisen durchgeplant, immer in der Hoffnung, Anzeichen für einen dafür brauchbaren Schlafrhytmus und ein paar bessere Tage zu erkennen. Pech gehabt, diesmal nicht. Aber die neuen Kataloge habe ich schon und plane wieder...

Bei mir sind es nun bald vier Jahre seit dem unübersehbaren Auftreten von Symptomen. Mal schauen, wie das in ein paar Jahren aussieht.

Ich wünsche Dir jedenfalls
Alles Gute und die nötige Kraft
Viele Grüße
binmüde
...
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