Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung?

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Zwucki
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Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung?

Ungelesener Beitragvon Zwucki » Mo 28. Jan 2013, 13:21

Hallo,

mein Vater (80 J.) ist seit dem 21. lebensjahr durch eine Gehirnhautentzündung an Narkolepsie erkrankt.
Nun habe ich Angst, daß ich (44 J.) oder meine Kinder (11 und 13 J.) irgendwann auch daran erkranken können.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir erkranken? :shock:

Gibt es da schon irgendwelche Studien?

Vielen Dank für jede Antwort schon mal im Vorraus.

Beirat
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Re: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung?

Ungelesener Beitragvon Beirat » Mo 4. Feb 2013, 17:53

Wenn wirklich eine Gehirnentzündung zur Narkolepsie des Vaters geführt hat und der Zusammenhang Gehirnentzündung / Narkolepsie nicht zufällig ist, so besteht keine erhöhte Gefahr, an einer Narkolepsie zu erkranken.
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Zwucki
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Re: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung?

Ungelesener Beitragvon Zwucki » Di 5. Feb 2013, 08:25

Hallo,

ja aber ich habe gelesen, daß es ein "schlummerndes" Gen gibt, was vererbbar ist und z.B. durch eine Grippeimpfung oder einen anderen Faktor (Hirnhautentzündung) ausgelöst wird.
Man kann sich wohl testen lassen, aber ich habe Angst, daß ich es in mir trage und auch an meine Kinder weiter gegeben habe.
Gerade vor ein paar Tagen gab es einen Fernseh Bericht, wo ein Fall berichtet wurde, wo durch eine Grippeimpfung das Gen aktiviert und die Narkolepsie ausgelöst wurde.

Gibt es da schon weitere Betroffene?

Vielen Dank Elke

Beirat
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Re: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung?

Ungelesener Beitragvon Beirat » So 17. Feb 2013, 20:12

Es gibt eine Gruppe von menschlichen Genen, das sog. humane Leukozytenantigen-System (HLA), die für die Funktion des Immunsystems zentral sind. Ausserdem weiss man, dass zahlreiche Krankheiten mit bestimmten HL-Antigenen vergesellschaftet sind. Das gilt auch für die Narkolepsie mit Kataplexie (HLA DQB1*0602). ABER 12-38% der normalen, gesunden europäischen Bevölkerung haben dieses Gen und sind NICHT an Narkolepsie erkrankt.
Es ist noch immer nicht genau bekannt wie / weshalb Narkolepsie entsteht. Eine Vermutung ist die, dass ein autoimmuner Prozess zur Verminderung des Orexin (=Hormon, das im Zwischenhirn des Menschen gebildet wird und bei Patienten mit Narkolepsie deutlich vermindert ist bzw. fehlt) führt. Aber da nur wenige von denjenigen die dieses bestimmte Gen haben an einer Narkolepsie erkranken, müssen noch andere Faktoren dazu kommen, um eine Narkolepsie auszulösen. Welches diese zusätzlichen Faktoren ist ebenfalls noch recht unklar. Als nach der Grippeimpfung in 2010 sich die Fälle von Narkolepsie zu häufen schienen, hat man diese Impfung verdächtigt, Narkolepsie auslösen zu können. Doch ist auch hier der Zusammenhang nicht einfach. Nicht alle europäischen Ländern waren gleich betroffen (obwohl der selbe Impfstoff verwendet wurde), die meisten der z.B. erkrankten Kinder in Finnland (dort war die Erkrankungsrate deutlich erhöht) hatten das besagte Gen, ein Drittel hatte es jedoch nicht und erkrankte trotzdem nach der Impfung. Es sind also definitiv viele Faktoren im Spiel, die wir wie gesagt noch nicht kennen.
Im Fernsehen wurde die Sache sicher etwas einfacher dargestellt, als sie wirklich ist.

Zur Frage nach dem testen lassen: es ist natürlich so – Gene können weitervererbt werden und damit auch die Empfänglichkeit für Erkrankungen. Ein Ratschlag, der zur Entscheidung für oder gegen Testung kann nicht im Forum gegeben werden. Diesem Entscheid sollte ein gutes Gespräch mit einem Arzt, der sich in Sachen Narkolepsie auskennt vorausgehen.
Aerztlicher Beirat der SNaG


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