Schlaflabordiagnostik unter Ritalin?

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Schlaflabordiagnostik unter Ritalin?

Ungelesener Beitrag von Seelenflieger » Fr Sep 14, 2012 7:27 pm

Hallo, vor 2 1/2 Jahren wurde bei mir (44J) AD(H)S adult festgestellt und ich nehme seither Ritalin. Das hilft mir sehr, tagsüber präsent zu bleiben und nachts gegen die Unruhe beim Einschlafen bzw. gegen die horrenden Alpträume. Nach differenzierterer Betrachtung meiner chronischen Schlafprobleme und meiner anhaltenden "Erschöpfungszustände" wurde mir vom Neurologen nun zudem für mich völlig nachvollziehbar die Diagnose Narkolepsie gestellt. Er überwies mich zur genaueren Abklärung ins Schlaflabor. Bei dem Vorgespräch dort bestand die Ärztin darauf, dass die Untersuchungen unter Ritalin durchgeführt werden, ansonsten käme es zu Entzugserscheinungen, die das Bild verfälschen würden. Ich erklärte ihr, dass es dazu keineswegs käme und dass ich erst kürzlich wieder einmal mehrere Ritalin-freie Tage und Nächte gehabt hätte und das einzige, was passiert sei, dass der "alte" Zustand vor Ritalin wieder da gewesen sei. In meinen Augen macht es wenig Sinn, die Erstdiagnose Narkolepsie zu stellen bzw. zu verifizieren, wenn ich quasi bis Oberkante voll mit Stimulanzien bin (zur Zeit rette ich mich in Absprache mit meinem Neurologen mit ungefähr 80 mg Methyphenidat durch den Tag bzw. die Nacht). Über einen diesbezüglichen Rat und/oder entsprechende Erfahrungen würde ich mich sehr freuen!

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Re: Schlaflabordiagnostik unter Ritalin?

Ungelesener Beitrag von Beirat » Mo Nov 05, 2012 8:41 pm

In der Tat ist es so, dass das Absetzen von Ritalin „nur“ dazu führt, dass der alte Zustand wieder da ist. Oft wird jedoch die Schläfrigkeit als noch schlimmer empfunden, weil man sich jetzt sehr gut erinnert, wie wach man sich fühlen kann.

Zu den Abklärungen im Schlaflabor mit der Frage nach Narkolepsie gehört sicher auch ein Multipler Schlaflatenz Test (MSLT, Aufgabe des Patienten: den Schlaf zulassen), der tatsächlich dann aussagekräftig ist, wenn man einschläft. Wirkt das Ritalin so gut, dass man damit untertags nicht mehr schlafen kann, dann ist es sicher besser, das Medikament nicht zu nehmen. Diese Empfehlung gilt jedoch nur für die Diagnosestellung. Möchte man hingegen untersuchen, ob jemand, z.B. zum Autofahren wach genug sein kann und plant dazu einen sog. Multiplen Wachbleibetest (MWT, Aufgabe: wach bleiben), dann muss man dies unter Alltagsbedingungen und damit auch mit wachhaltenden Medikamenten durchführen.
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Re: Schlaflabordiagnostik unter Ritalin?

Ungelesener Beitrag von Seelenflieger » Di Nov 06, 2012 4:43 pm

Vielen Dank für diese differenzierte Auskunft! Die erstdiagnostische Schlaflaboruntersuchung fand mittlerweile tatsächlich o h n e Ritalin statt (weil ich es einige Tage vorher einfach "eigenmächtig" abgesetzt hatte) und so trat denn auch tatsächlich die Narkolepsie unverstellt zutage. Und für weitere Untersuchungen weiß ich ja jetzt auch Bescheid - nochmals vielen Dank!

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