Allgemein-Narkosen mit Trapanal (Thiopental) od. Propofol

mögliche Ursachen, medizinische Zusammenhänge

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Allgemein-Narkosen mit Trapanal (Thiopental) od. Propofol

Ungelesener Beitrag von Seelenflieger » Do Jan 17, 2019 5:32 pm

Liebe Narki-Gefährten, in Vorbereitung auf meine anstehende Hüft-OP habe ich nun (endlich!) den Narkose-Bericht meiner letzten OP (Gallenblasensektion August 2013) bekommen. Die Allgemeinnarkose und deren Folgen waren wirklich furchtbar! Dementsprechend meine Panik vor der jetzigen OP... Wie sich jetzt aber herausstellte, bekam ich damals als Hypnotikum Trapanal (Thiopental) - und nicht das übliche Propofol. Weil ich "wohl eine Soja-Allergie" hätte. Hatte ich nie behauptet und nie gehabt und war auch im Anästhesie-Vorgespräch absolut kein Thema. Auf die Idee kam dann die (andere, mir nicht bekannte) Narkose-Ärztin in der Schleuse. Obwohl ich deren Frage nach einer Soja-Allergie verneinte, bekam ich dann also Thiopental. Das ist aber explizit kontraindiziert bei Asthma (habe ich - entsprechend kam es zu einer massiven Atemdepression), dezidiert kontraindiziert bei Hypotonie (auch das habe ich - entsprechend kam es nach der OP auf der Intensivstation zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall), es erhöht extrem die postoperative Schmerzempfindlichkeit (definitiv!!! - und das ausgerechnet, wo man als Schlafgestörter ohnehin so viel schmerzempfindlicher ist), es macht während der Narkose Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Schlaftiefe (ein wunderbares Extra bei einem Narkolepsie-Patienten!), es hat eine sofortige Wirkung (von wegen sanft einschlummern, es war ein regelrechter Höllentrip!), die Patienten schlafen aber vor allem deutlich länger (bei mir hat's letztlich Wochen gedauert bis ich überhaupt einen halbwegs stabilen Wachzustand wieder hatte), es fördert Halluzinationen und Alpträume (da bin ich ohnehin ganz groß drin - aber das war dann ein "schönes" Extra-Feuerwerk, vor allem im Aufwachraum, letztlich aber noch wochenlang!), bekannt auch als "Wahrheitsserum" rührt es zudem direkt ans Unterbewusstsein (meine PTBS und alle Narki-Traumata blühten so richtig auf!) und last but noch least bedeutet es oft postoperativ Übelkeit und Erbrechen (auch dazu habe ich eine Neigung und diesen Teil der Übung natürlich auch nicht ausgelassen). Keine Ahnung, wie die auf die Idee kamen, mir ausgerechnet dieses Zeug (mittlerweile auf der Roten Liste!) zu verabreichen. Bin einerseits stinkwütend über eine derartige Misshandlung (empfinde ich schon als solche), andererseits habe ich nun Hoffnung, nun mit einer "normalen" Narkose nicht ganz so schlimm rauszukommen. Hat jemand von Euch vielleicht auch Erfahrung mit Trapanal/Thiopental? Würde mich sehr interessieren. Und welche Erfahrungen habt Ihr mit Propofol-Narkosen? Habt Ihr vielleicht sonst noch einen Tipp dazu? Danke Euch schon jetzt vielmals! Herzlich Euer Seelenflieger

Rosi vD
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Re: Allgemein-Narkosen mit Trapanal (Thiopental) od. Propofol

Ungelesener Beitrag von Rosi vD » Sa Jan 19, 2019 12:05 am

So ein Unsinn....

Die Indikationseinschränkungen sind wegen Problemen beim Hersteller im juli 2018.
Für die genannten Vertriebs- und Indikationseinschränkungen ist eine GMP-non-Compliance beim Hersteller des sterilen Wirkstoffs – Lampugnani Pharmaceutici SPA – verantwortlich. Diese Nichteinhaltung der Guten Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice, GMP) wurde von der italienischen Behörde AIFA am 17. Juli 2018 (Eudra-GMP Database Report No.: IT/NCR/API//1/2018) festgestellt.
https://www.gelbe-liste.de/rote-hand-br ... nal-inresa

Seelenflieger
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Re: Allgemein-Narkosen mit Trapanal (Thiopental) od. Propofol

Ungelesener Beitrag von Seelenflieger » Sa Jan 19, 2019 2:51 pm

Hallo Rosi,
bin jetzt ziemlich irritiert: Was genau meinst Du "ist Unsinn"? Da Du sicher nicht meine persönlichen Erfahrungen meinen kannst: die Wirkungsweise von Trapanal? Die Nebenwirkungen? Die Kontraindikationen? Dass es keine Standard-Narkose (mehr) ist? Dass ich von der "roten Liste" gesprochen habe? (War tatsächlich ein Versehen: habe ich mit "Roter-Hand-Brief" verwechselt.) Dein Post bzw. link helfen mir leider nicht recht weiter... Das Thema beschäftigt mich aber wirklich sehr. Auf keinen Fall möchte ich so ein Desaster nochmal erleben, schon gar nicht mit einer frisch operierten Hüfte, die sofort mobilisiert werden muss und auf die ich nicht mit einer Kata nach der anderen stürzen darf!
In diesem Sinne viele interessierte Grüße vom Seelenflieger

Seelenflieger
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Re: Allgemein-Narkosen mit Trapanal (Thiopental) od. Propofol

Ungelesener Beitrag von Seelenflieger » Fr Jan 25, 2019 3:12 pm

Hallo miteinander,
wollte noch kurz was ergänzen, was von allgemeinem Interesse sein könnte: hatte gestern ein Gespräch mit meinem Neurologen - auch er meinte, dass Trapanal/Thiopental für Narkoleptiker definitiv nichts sei, ihn wundere nichts an meiner Schilderung, dafür umso mehr, dass man überhaupt noch mit derart veralteten Methoden gearbeitet hat. In der Schleuse dann auch noch mit dem Patienten herumdiskutieren und alles aus der Vorbesprechung umschmeißen gehe natürlich ebenso wenig!
Allgemein-Narkose ist klar eine Archilles-Ferse für einen Narkolepsie-Patienten, da man muss wirklich alles daran setzen, dass derjenige Anästhesist, der das Vorgespräch führt, dann auch derjenige ist, der die Narkose durchführt, zumal die allermeisten Anästhesisten kaum oder sogar gar keine Ahnung von Narkolepsie haben.Eigentlich logisch, aber seit wann ist das Leben logisch...??? :x
Fühle mich jetzt jedenfalls nochmal besser gerüstet für die bald anstehende OP. Zumal man bei dem Krankenhaus, an das ich mich jetzt gewandt habe, unbedingt mit Spinalanästhesie operieren will (nur im Notfall auf Allgemein-Narkose umsteigt) und gleich von sich aus angeboten hat, dass das Narkose-Vorgespräch in meinem Fall schon mindestens vier Wochen vorher stattfinden soll, um auch noch Zeit für eventuelle Vortests zu haben, damit es eben so wenig wie möglich "böse" Überraschungen in der Schleuse, auf dem OP-Tisch oder danach gibt. :thumbup: :-D
Werde Euch gerne weiter berichten. Hoffentlich nur Positives... :wink:
Viele liebe Grüße derweil und alles Gute, Euer Seelenflieger

janet73
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Re: Allgemein-Narkosen mit Trapanal (Thiopental) od. Propofol

Ungelesener Beitrag von janet73 » Di Apr 09, 2019 8:05 am

Da wird einem ja Angst und Bange. Ich habe einige kleinere OPs als Narki hinter mir und wenngleich es stimmt, dass die Hallus im Aufwachraum schlimm und länger als sonst waren, so habe ich das gar nicht mit einem Mittel in Verbindung gebracht. Insgesamt ist es für mich besser gelaufen als bei Dir, aber da ich keine Ahnung habe welches Mittel genommen wurde...Vor meinen Geburten musste ich im Wunschkrankenhaus immer zu einer Anästhesistin wegen der Narkolepsie (falls es zu einem Kaiserschnitt gekommen wäre, was glücklicherweise nicht der Fall war). Merkwürdig, dass da bei dir so plötzlich umgeschwenkt wurde. Na, ich helfe Dir mit meiner Antwort überhaupt nicht weiter, aber vielleicht freust du dich trotzdem über eine weitere Reaktion.

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Re: Allgemein-Narkosen mit Trapanal (Thiopental) od. Propofol

Ungelesener Beitrag von Seelenflieger » Do Apr 25, 2019 2:56 pm

Liebe Janet,
vielen Dank - ja, habe mich gefreut! :-D Hab Deinen Beitrag nur irgendwie übersehen (sorry!) und schreibe deshalb erst jetzt zurück.
Eigentlich sollte ich ja gestern operiert werden. Habe vorgestern auch ordnungsgemäß eingecheckt, hat alles ziemlich gedauert, nicht zuletzt wegen einer furchtbar blöden und arroganten Aufnahmeärztin, die nichts geblickt, aber alles durcheinander gebracht hat (das Schlimmste konnte mein Mann verhindern, ich selbst war schon wieder am Schlafen). Einer meiner Diagnosen lautet z.B. nun "Schlafparalysmen" :crazy:
Auch eine eindrucksvolle Kata gab's gleich zu Beginn in der Verwaltung, als nebenan die Registratur-Leiter mit einem riesen Krach umfiel. Auf den Notruf kamen gleich 8 Ärzte gelaufen und wussten nicht, was das soll, als ich aufstand wie das Kasperl aus der Kiste.
Am Nachmittag landete ich dann auf Station, alles lief bestens, tolle Schwestern und Pfleger, die meinen Fall (Narkolepsie) super interessant fanden (und nicht nur lästig und nervig) und erstaunlich schnell überrissen haben, worum es geht, super Zimmer, sehr nette (nicht schnarchende!) Bettnachbarin, erste leckere Mahlzeit, Gehschule bei der Physiotherapeutin, Lieferung von Hilfsmitteln wie Greifzange und Keilkissen, die richtige Anästhesistin eingeteilt, OP-Termin nicht in aller Herrgottsfrühe, alles wunderbar.
Dann kommt plötzlich die Aufnahme-Ärztin hereingestürmt: Meine Spezial-Prothese (von meinem Orthopädischen Chirurgen, der die Narkolepsie sogar aus eigener Anschauung kennt, extra ausgewählt in Bezug auf meine Katas und die dadurch erhöhte Luxationsgefahr) sei vergessen worden zu bestellen. Aber kein Problem, man könne auch irgendeine andere nehmen (was eben überhaupt nicht stimmt, Gott sei Dank war ich gut informiert und vorbereitet), was sich mein Orthopäde da gedacht hat, verstehe sowieso niemand, man könne ihn aber nicht fragen, er sei in Urlaub. Ich könne jedenfalls bis zum nächsten Morgen darüber nachdenken. :shock:
Am Morgen kam dann der Stellvertretende Chefarzt mit großem Gefolge, fragt wie's mir geht, "wie schon", sage ich "wenn man zwischen Baum und Borke hängt und man nicht weiß, ob die Operation überhaupt richtig stattfinden kann". "Wieso?" Hat man dem tatsächlich noch gar nichts gesagt gehabt!!! Kleinlaut wurde er vom Stationsarzt aufgeklärt. Autoritäre Antwort: "Die Entscheidung ist leicht. Wie viele Stürze haben Sie? Haben Sie sich schon mal was gebrochen? Alles nicht so wild, Standardlösung tut's auch." :twisted: Habe ich dann kurz und bündig abgelehnt - dem Himmel sei Dank war ich ausgerechnet an diesem Morgen schon um 7 Uhr so putzmunter! :thumbup:
Sie würden nun versuchen, das Ding schnellstmöglich vom Hersteller zu besorgen, dann könne es vielleicht noch diesen Freitag stattfinden. Und drehen sich auf dem Absatz um. Halt, halt, sage ich, aber nur, wenn auch mein Anästhesist (der einzige, der sich mit meiner Narkolepsie auskennt) da sei, ansonsten sei das viel zu riskant, ich hätte bereits einschlägige Erfahrungen. Diese ausführlich, spezielle Anästhesie-Vorbereitung sei für meinen Orthopäden und mich ja die Grundvoraussetzung, dass man es überhaupt wagen kann, mir ein künstliches Hüftgelenk einzusetzen. Betretenes Schweigen, sie schauen mal.
Stunden später dann: Leider sei das diese Woche nicht mehr möglich, sie müssten mich entlassen und alles neu organisieren... :x
Einmal mehr heißt es: IMMER AUF DER HUT SEIN! SICH JA NICHT ÜBERRUMPELN LASSEN, SCHON GAR NICHT ALS NARKI!!!
Wir schlafen vielleicht öfter und mehr - deshalb sind wir aber noch lang nicht "verpennt"!
Nerven hat es trotzdem gekostet, ausgerechnet Nerven, und einen Haufen Stress verursacht - also genau das, was unsereins am wenigsten brauchen kann! :roll:
Jetzt mach ich mir erst mal ein paar gemütliche Tage, dann wird ja wohl hoffentlich bald der nächste Anlauf gemacht werden können...
In diesem Sinne viele liebe Grüße aus dem häuslichen Basis-Lager :wave: ,
Seelenflieger

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