Keine Diagnose

Unser Ärzteteam beantwortet gerne eure Fragen rund um das Thema Narkolepsie.
Hinweis: über das Internet kann keine Diagnose gestellt werden!
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Liss
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Keine Diagnose

Ungelesener Beitrag von Liss » Mo Apr 30, 2012 2:16 pm

Schon seit der Pubertät bin ich immer müde. Auch als Kind habe ich schon viel und überall geschlafen (bei der Probe des Kirchenchors hinter der Orgel, im Restaurant auf dem Boden unter der Eckbank), aber mit der Pubertät ist es deutlich mehr geworden. Nach der Schule hab ich mich - trotz ausreichend Nachtschlaf - erstmal ins Bett gelegt und 2-3 Stunden geschlafen. Meine Mutter sagte ich sei faul und antriebsgestört, mein Vater sagt ich sei halt ein "Schlafkeks". Davon abgesehen, dass meine Familie wenig Verständnis hatte, war das aber soweit kein Problem. Ich hab halt nie lange durchgehalten (sowas wie Nächte-durchmachen war nie drin!), bin immer früh ins Bett und habe - wenn möglich - vor- oder nachgeschlafen. Nach dem Abitur war ich wegen anderer Probleme 3 Monate in einer psychosomatischen Klinik, die haben zwar gesagt ich würde zuviel schlafen, aber geklärt wurde da nie was.

Unter der Woche schlafe ich ca. 6-8 Stunden, am Wochenende dann auch mal 10-12 Stunden nachts. Nachmittags hinlegen ist trotzdem drin, am Wochenende halte ich dann aber auch schonmal etwas länger durch, bevor ich mich wieder hinlege. Stehe aber natürlich auch später auf.

Im Studium wurd das schon eher zum Problem. Zumal ich auch morgens nicht besonders gut aus dem Bett komme. Ich habe dann mittags keine Seminare mehr belegt, weil ich nachhause wollte um zu schlafen. Mittags in die Bib konnte ich mir sparen. Ich bin dann teilweise so erschöpft, dass ich das Gefühl habe, mein Körper könnte sich nicht mehr auf dem Stuhl halten. Es ist, als würde mich alles zu Boden ziehen und ich müsste mich unbedingt hinlegen. Vielleicht so ähnlich wie starke Gliederschmerzen. Ich schlafe aber nicht willenlos ein, wenn ich mich auf meinem Stuhl zurücklehne oder gar hinlege jedoch umgehend.

Vor knapp 2 Jahren habe ich angefangen zu Arbeiten. Mittags hinlegen verträgt sich mit einem Vollzeitjob nun gar nicht. Die Müdigkeit ist aber da. Zuweilen habe ich die Bürotür geschlossen und für 15 Minuten auf meinem Stuhl geschlafen, danach geht es besser. Aber richtig gut ist es nicht. Nach der Arbeit lege ich mich aufs Sofa und schlafe direkt ein. Ich plane auch meine Termine danach, dass ich zwischendurch noch Zeit finde mich kurz hinzulegen. 30 Minuten sollten es schon sein, wenn ich mehr Zeit hab schlafe ich auch 2 Stunden.
Beim Aufwachen - sowohl morgens als auch nachmittags - bin ich schwer erweckbar, schlaftrunken, mir fallen die Augen immer wieder zu, manchmal schlafe ich auch direkt wieder ein. Ich habe morgens 3 verschiedene Wecker, die im Wechsel bis zu 45 Minuten lang klingeln, bis ich aus dem Bett komme.

Es wurde unerträglich. Also zum Hausarzt. Blutbild ok. Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruck. Puls sehr niedrig, Blutdruck erhöht. Keine Ursache definierbar. Überweisung zum Neurologen. Atemdings mit nachhause, kein Ergebnis. Schlaflabor, 2 Nächte, MSLT. Ich hab 2 Nächte so schlecht geschlafen wie noch nie, beim MSLT konnte ich nicht einschlafen. Ich wusste, ich sollte und ich war auch müde genug. Aber mein Kopf wollte nicht.

Heute der Befund vom Arzt: Keine Krankheitsanzeichen erkennbar!
Wahrscheinlich wäre ich einfach ein Mensch mit einem sehr hohen Schlafbedürfnis. Wenn ich nachts 7 Stunden schlafen würde und eigentlich aber 9 bräuchte, dann hätte ich chronischen Schlafmangel und der würde sich eben bemerkbar machen. Ich solle es mal mit mehr Schlafen versuchen.

Und das solls jetzt gewesen sein?!

Beirat
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Re: Keine Diagnose

Ungelesener Beitrag von Beirat » So Mai 27, 2012 5:44 pm

Vorauszuschicken ist: eine Diagnose lässt sich nicht über’s Internet stellen. Diagnose und Therapie sind „Resultate“ der „ärztlichen Kunst“ und sind ohne Gespräch unmöglich. Manchmal braucht es ergänzend sogenannte Zusatzdiagnostik – wie auch hier.

Dennoch einige Kommentare zu dem Geschilderten. Die wesentlichen Elemente sind das erhöhte Schlafbedürfnis, das erschwerte Erwachen und die Nicht-Erholsamkeit von Tagesschläfchen. Das sind allesamt Symptome, die für die idiopathische Hypersomnie recht typisch sind. Aber: jedem einzelnen Symptom muss nachgeforscht werden – denn sie können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Diese Möglichkeiten hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Das ist eines der Dinge, die im ärztlichen Gespräch stattfinden.

Was jedoch zunächst erstaunt ist, dass trotz des praktisch immer vorherrschenden hohen Schlafdrucks, im MSLT (multiplen Schlaflatenz Test) kein Schlafen möglich war. Auch hier müsste bezüglich der Gründe (Gespräch!!) genaueres bekannt sein.

Letztlich kann in der Medizin jedoch immer einmal ein Test nicht verwertbar sein. Dann muss er wiederholt werden, da in diesem Fall die Diagnose wesentlich für die Behandlung des wahrscheinlich chronischen Leidens ist. Dies kann in Form einer Zweitmeinung (anderes Schlaflabor / anderes Zentrum für Schlafmedizin) oder auch in Form einer Wiederholung am selben Ort geschehen.

Es ist praktisch egal welche Schlaf-Wach-Störung vorliegt –IMMER gehört zur Aufgabe des Patienten, für regelmässigen UND ausreichenden Schlaf zu sorgen. Unserer Erfahrung verbessert das immer die Situation, ist jedoch oft für die Betroffenen nicht einfach umzusetzen - ein Pille einzunehmen scheint einfacher. Wenn die Schlafdauer unter der Woche 6-8 und am Wochenende 10 -12 Stunden beträgt, hat der Kollege sehr wahrscheinlich Recht: die Schlafdauer unter der Woche reicht nicht aus, am Wochenende muss nochgeholt werden. Aber wahrscheinlich löst genügend Schlaf das Problem nicht vollständig. Und so muss weiter gesucht werden

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