Hilfe - Narkolepsie oder medikamenteninduzierte Hypersomnie

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schalmaus
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Hilfe - Narkolepsie oder medikamenteninduzierte Hypersomnie

Ungelesener Beitragvon schalmaus » So 25. Mär 2012, 00:19

Hallo liebes Ärzteteam,

seit etwa 3Jahren werde ich wegen chronischer Schmerzen mit Morphin über eine Medikamentenpumpe behandelt. Können hierbei Symptome einer Narkolepsie entstehen? In der letzten Woche war ich im Schlaflabor und wurde mit dem Befund Narkolepsie oder Hypersomnie - idiopathisch oder medikamenteninduziert entlassen.
Mein grösstes Problem damit ist, dass der Schlafmediziner einen Abbruch der Morphinbehandlung vorschlägt. Nach 4Jahren heftiger Schmerzen und nach den Leitlinien erfolgter Behandlungsversuche, brachte mir die intrathekale Morphingabe endlich ein erträgliches Leben zurück. Soll ich das wirklich aufs Spiel setzen? :(
Laut dem Befund weisst alles auf eine Narkolepsie hin: stark erhöhte Tagesmüdigkeit mit häufigen Einschlafattacken, MSLT durchschnittlich 7 Minuten, 1 x REM 15 Minuten, stark gestörter Nachtschlaf, Kataplexien ohne Trigger. Wegen Depressionen nehme ich seit einigen Jahren Citalopram. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Symptome unterdrückt werden. Seit Januar nehme ich Vigil, was definitiv gegen die Einschlafattacken hilft.

Können Sie mir einen Tip geben? Der Arzt im Schlaflabor war zwar seehr nett und hat sich viel Zeit genommen, aber mit Narkolepsie kannte er sich nicht besonders gut aus.

Vielen lieben Dank!

Beirat
Aerztlicher Beirat d. SNaG
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Re: Hilfe - Narkolepsie oder medikamenteninduzierte Hypersom

Ungelesener Beitragvon Beirat » Sa 28. Apr 2012, 16:12

Das Hauptproblem scheint die Tagesmüdigkeit/Tagesschläfrigkeit mit Einschlafattacken zu sein. Aufgrund der Schilderungen gibt es mehrere Ursachen für diese Müdigkeit/Schläfrigkeit. Einerseits kann Morphin natürlich müde machen. Allerdings wäre es ungewöhnlich, wenn Morphin „plötzlich“ und ohne die Dosis gesteigert zu haben, müde macht. Aber auch eine nicht (ganz) ausreichend therapierte Depression kann zu gestörtem Nachtschlaf und Müdigkeit, ja sogar zu vermehrtem Einschlafen untertags führen. Nicht vergessen werden darf auch z.B. ein Eisenmangel oder Schilddrüsen Funtktionsstörung. Dies kann der Hausarzt schnell und leicht überprüfen – und sollte trotz der anderen Ursachen auch noch gesucht werden, falls noch nicht erfolgt.

Und zu all dem kann auch noch eine Narkolepsie / Hypersomnie dazukommen. "Kann", das heisst man muss sich fragen, ob mit den anderen genannten Ursachen nicht schon genug Gründe bestehen, um die Schläfrigkeit / Müdigkeit zu erklären. Eine Narkolepsie kann manchmal von einer idiopathischen Hypersomnie sehr schwer zu unterscheiden sein. Falls es sich um „echte“ Kataplexien handelt, spricht das sehr stark für eine Narkolepsie. In der Mehrzahl der Fälle werden Kataplexien durch Emotionen ausgelöst. Es gibt auch „echte“ Kataplexien ohne emotionalen Trigger – aber selten. Da braucht es einen Schlafmediziner, der Erfahrung mit Kataplexien hat um diese zu beurteilen, da sie so zentral in der Diagnose der Narkolepsie sind. Das Alter beim Beginn der Symptome ist ebenfalls wichtig, um zu entscheiden, ob eine dieser beiden Erkrankungen im Spiel ist.

Einmalig REM Schlaf im MSLT kann den Verdacht auf eine Narkolepsie unterstützen, ABER kann auch bei gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmässig spätem Zubett-Gehen und bei Depression auftreten. Wenn eine zusätzliche Untersuchung von Liquor (Nerven) eindeutig zu tiefe Werte für Orexin zeigen würde, wäre ein in einer solchen Situation sicherlich hilfreich. Allerdings ist bei einer intrathekalen Medikamenten-Pumpe äusserste Vorsicht geboten, d.h. eine Punktion sollte nur durchgeführt werden, wenn unbedingt nötig und vor allem durch geübte Ärzte (u.a. Infektionsgefahr des „Fremdmaterials“, dh der Pumpe).

In manchen Fällen lässt sich letztlich die Frage nach Narkolepsie oder Hypersomnie gar nicht beantworten. Und bei jedem Patienten muss auch immer gut überlegt werden, wie aggressiv die Diagnostik vorangetrieben werden soll, wenn es am Ende bei der Therapie keinen Unterschied macht, ob die Diagnose (atypische) Narkolepsie oder idiopathische Hypersomnie heisst.

Wenn die Schmerzen mit der aktuellen Schmerztherapie erträglich sind, hat das sicher einen grossen Wert und Einfluss auf die Lebensqualität. Das bedeutet dann auch, dass das Wegnehmen der Morphin-Pumpe kein wirklich gangbarer Weg ist – auch wenn die Müdigkeit / Schläfrigkeit dann besser wäre.

Letztlich ist es also wichtig sich auf das zu konzentrieren, was man ändern / beeinflussen kann:
1) Depression ausreichend behandelt?
2) Eisenmangel / Schilddrüsenstörung ?
3) Schlafhygiene optimal ?
4) Kein Schlafapnoe-Syndrom (wurde eine Polysomnografie durchgeführt?) ?

Wenn all dies optimal behandelt ist, dann kann man versuchen, die Schläfrigkeit ZUSAETZLICH mit Medikamenten, wie z.B. Vigil oder andere, zu behandeln.
Aerztlicher Beirat der SNaG


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