Medizinstudium

Unser Ärzteteam beantwortet gerne eure Fragen rund um das Thema Narkolepsie.
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LuckyLuke88
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Medizinstudium

Ungelesener Beitragvon LuckyLuke88 » Mi 7. Dez 2011, 13:55

Lieber Beirat,
seit einiger Zeit spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken nach meiner Ausbildungszeit ein Medizinstudium zu wagen.
Bei mir wurde 2010 Narkolepsie ohne Kataplexie diagnostiziert. Symptome habe ich jedoch schon seit 2000.
Momentan bin ich auf Modafinil eingestellt und komme damit gut zurecht.
2009 habe ich Abitur gemacht, danach Zivildienst als Rettungssanitäter und zur Zeit eine Krankenpflegeausbildug.

Die Narkolepsie äußert sich bei mir in Müdigkeit in Situationen der Ruhe: zum Beispiel während eines Vortrags.
An einem 8 stündigen Unterrichtstag habe ich diese Müdigkeit ca. 2 mal. Ich nicke nach 2 - 3 Minuten kurz ein, bin aber nach maximal 10 minuten wieder voll da und wach. Wohl gemerkt nur bei "Frontalunterricht". In Gesprächen, beim Gehen usw. passiert das nie. Weiterhin bei Autofahren ab 20 Minuten wobei ich grundsätzlich die Müdigkeit vorher bemerke und
rechts ranfahren kann. Nach 10 Minuten Nickerchen kann ich wieder weiterfahren.
Während der Arbeit habe ich keine Probleme damit. In meiner Krankenpflegekurs bin ich Kursbester. Der Schichtdienst macht mir nicht mehr aus als meinen anderen Kollegen auch.

Nun meine Frage (die wohl kein anderer besser beantworten könnte als als Mediziner selbst)
Würden Sie mir dazu raten es zu versuchen?

Beste Grüße,
LuckyLuke

Beirat
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Re: Medizinstudium

Ungelesener Beitragvon Beirat » Do 8. Dez 2011, 08:18

Nach dem Geschriebenen ist die Prognose für ein Medizin-Studium und die anschliessende Ausübung des Arztberufes recht gut.

Schwierig sind die monotonen Situation, weil sie die Schläfrigkeit / den Schlafdruck erhöhen, Beispiel (langweilige!) Vorträge. Aber: Es besteht ja immer die Möglichkeit den Inhalt nachzulesen bzw. selbst zu erarbeiten, was in der Regel ohnehin viel besser ist (Verständnis und Gedächtnis).

Wichtig wird die Wahl des Facharztes sein. Abzuraten ist sicherlich von z.B. chirurgischen Fächern, da dort vor allem in den ersten Jahren, in denen man nicht selbst operieren darf, stundenlanges „Dabei-Stehen“ zu jeder Tages- und Nachtzeit erforderlich ist. Aber im Verlauf des Studiums bekommt man einen guten Eindruck von den Fächern und kann den Facharztwunsch seinen Fähigkeiten und Limitationen anpassen.

Da Schichtarbeit und Lernen also bislang keine Schwierigkeiten machen, sollte auch Studium und Beruf gut machbar sein. Dies mit Unterstützung durch Modafinil und - nicht zu vergessen - gute Schlafhygiene und genügend Schlaf.
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Re: Medizinstudium

Ungelesener Beitragvon LuckyLuke88 » Do 8. Dez 2011, 13:01

Vielen Dank für diese äußerst aufmunternde Antwort!

Kann es Probleme während oder nach dem Studium geben wenn ich von vornherein mit offenen Karten spiele
und aus der Narkolepsie kein großes Geheimnis mache? Wäre ja schade 6 Jahre umsonst studiert zu haben.

Ich hänge es nicht gerne an die große Glocke, habe jedoch die Erfahrung gemacht dass man
vielen Unannehmlichkeiten aus dem Weg gehen kann wenn man sich den richtigen Leuten anvertraut.

Liebe Grüße,
LuckyLuke

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Re: Medizinstudium

Ungelesener Beitragvon Beirat » Fr 9. Dez 2011, 07:28

Grundsätzlich besteht keine Verpflichtung, Universität, Arbeitgeber etc. über die Narkolepsie zu informieren. Sollte sich jedoch zeigen, dass z.B. die Schläfrigkeit und der Bedarf ein Nickerchen zu halten, einem Arbeitgeber nicht verborgen bleiben kann, ist es meist besser, über die Erkrankung zu informieren. Sehr häufig sind die Arbeitgeber sehr kooperativ und bereit, Alternativen zur Arbeitszeit (z.B. Mittauspause mit Nickerchen etc.) zur Verfügung zu stellen.

Etwas anderes sind z.B. Lebens-/Krankenversicherungen, in denen explizit nach Erkrankungen gefragt wird. In diesen Fällen ist es ratsam, eine rechtskundige Person hinzuzuziehen, falls es Zweifel gibt, was angegeben werden kann und was angegeben werden muss.
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Re: Medizinstudium

Ungelesener Beitragvon Webmaster » Sa 10. Dez 2011, 07:47

:arrow: Das Posting von ChristineNRW zu dieser Frage findet Ihr neu unter der Rubrik "Narkolepsie und Beruf/Schule".

Damit keine Missverständnisse entstehen, sind Antworten hier in diesem Unterforum dem Ärzteteam vorbehalten.

Ich danke für euer Verständnis :wink:
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Re: Medizinstudium

Ungelesener Beitragvon Beirat » Sa 10. Dez 2011, 08:17

Eine wichtige Ergänzung:
Die Aussage, dass es keine Verpflichtung gibt, der Universität oder dem Arbeitgeber zu sagen, dass man an einer Narkolepsie leidet GILT NUR für die SCHWEIZ.
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