SSRI und Triptane

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janet73
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SSRI und Triptane

Ungelesener Beitragvon janet73 » Fr 14. Jan 2011, 19:47

Sehr geehrtes Ärzte-Team,
ich nehme seit einiger Zeit Vigil, 2-3 Tabletten pro Tag und gelegentlich, d.h. 1-2x pro Monat ein Triptan (Ascotop) wegen Migräne. Nun habe ich heute mit Citalopram, einem Antidepressivum der SSRI-Gruppe angefangen, zunächst nur 10mg. Ich habe gelesen, dass man Triptane nicht mit den SSRI kombinieren darf, wegen der Gefahr des Serotonin-Syndroms. Ich habe aber einen Säugling und einen fast 4-jährigen Sohn und wenn ich Migräne habe, hilft mir das Mittel gut - ich kann mich mit einer unbehandelten Migräne-Attacke nicht um die Kinder kümmern. Andererseits habe ich mir Citalopram nicht zum Spaß verschreiben lassen und bin nun einigermaßen ratlos...Kann man denn problemlos Vigil und SSRI zusammen nehmen?
Vielen Dank

Beirat
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Re: SSRI und Triptane

Ungelesener Beitragvon Beirat » Mo 31. Jan 2011, 17:39

Die Kombination von SSRI und Triptan ist tatsächlich ein Problem und sollte dringend vermieden werden. In der Tat kann es zum Serotonin-Syndrom kommen, das potentiell sehr gefährlich ist. Gegen die Kombination Vigil und SSRI spricht nichts.

Es gibt Alternativen, z.B.

- Das Triptan mit einem anderen "Akut-Medikament" ersetzen:
Sofort bei den ersten Symptomen einer kommenden Migräne-Attacke 30mg Domperidon und kurz danach 600mg Ibuprufen oder 1000mg Aspirin einnehmen. Dies ABER NUR wenn gemäss behandelndem Haus-Arzt / Neurologen nichts gegen die genannten Medikamente spricht.

- Versuchen, die Anzahl der Migräne Attacken zu vermindern und eine sog. "Intervallprophylaxe" vornehmen. Es gibt verschiedene Medikamente die dafür zugelassen / empfohlen sind. Manchmal sind die dann noch verbleibenden Migräne Attacken auch weniger stark. Solche Medikamente müssen allerdings täglich eingenommen werden (für mind 6-12 Monte). Die Behandlung einer Migräne kann schwierig sein. Deshalb sollte diese Behandlung in der Regel durch einen Neurologen / eine Neurologin erfolgen.
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janet73
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Re: SSRI und Triptane

Ungelesener Beitragvon janet73 » Mo 14. Feb 2011, 21:26

Vielen Dank! Ich versuche jetzt seit 4 Tagen Valdoxan und habe einen besseren Schlaf, bin aber leider auch tagsüber müder als sonst. Der Arzt meinte, man sollte schon ein bißchen abwarten und das Mittel deswegen nicht gleich verwerfen. Ich hatte nach zwei Tagen eine schlimme Migräne mit Sehstörungen. Wenn ich regelmäßig Sport treibe, habe ich selten Migräne, ca. 1x pro Monat, deshalb kommen Prophylaxen bei mir nicht infrage, v.a. weil mir Ascotop nasal (ein Triptan) schnell hilft. Zur Zeit bin allerdings so fertig, dass ich zu nichts komme. Von einer antidepressiven Wirkung merke ich noch nichts, ist vielleicht noch zu früh. Im Beipackzettel stand nichts von Wechselwirkungen mit Triptanen. Dann gibt es da wohl auch keine?

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Re: SSRI und Triptane

Ungelesener Beitragvon Beirat » So 20. Feb 2011, 08:06

Die Wirkung von Antidepressiva sollte frühestens nach 2-3 Wochen beurteilt werden. Hat sich dann noch keine oder nur minimale Wirkung eingestellt, stellt sich die Frage, ob es das richtige Medikament ist oder, wenn die Wirkung sehr wenig ausgeprägt ist, ob nicht die Dosis zu gering ist. Aber, SEHR WICHTIG: sobald Nebenwirkungen auftreten MUSS man Kontakt mit dem verordnenden Artz aufnehmen. Denn hinter einer "banalen" Müdigkeit können sich schwerere Nebenwirkungen verstecken.
Wenn das gemäss behandelndem Arzt nicht zutrifft, dann sollte man der Nebenwirkung vermehrte Müdigkeit etwas Zeit geben. Bei manchen Medikamenten geht diese im Verlauf von Wochen zurück. Es braucht also etwas Geduld und sollte nicht dazuführen, das Medikament gleich "wegzuwerfen". Falls sich nach Wochen / Monaten diesbezüglich noch keine Besserung eingestellt hat, braucht es eine Bilanz: überwiegen die positiven Wirkungen die negativen?

Valdoxan hat einen anderen Wirkmechanismus als SSRI. Vom Hersteller sind keine Interaktionen zwischen Valdoxan und Triptanen beschrieben. Aber auch hier: in Unkenntnis der sonstigen Erkrankungen / Medikamente / Verdacht auf Erkrankungen kann der Aerztliche Beirat KEINE Empfehlungen aussprechen, sondern nur allgemeine Aussage treffen. Allgemeine Aussagen können nicht einfach auf den Einzelfall angewendet werden. Das bedeutet, dass die Aussagen des ärztlichen Beirats in diesem Forum die Konsultation des behandelnden Arztes NICHT ersetzen können.

Und last but not least: In der Medizin gibt es (leider?) kein "nie". Das gilt auch für Wechselwirkungen.
Aerztlicher Beirat der SNaG


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