mögliche Differentialdiagnose nach negativem Bluttest

Unser Ärzteteam beantwortet gerne eure Fragen rund um das Thema Narkolepsie.
Hinweis: über das Internet kann keine Diagnose gestellt werden!
Bitte beachtet die Bekanntmachung vom 27.11.2014.

Moderatoren: Jan, Webmaster

Gesperrt
julchen
Beiträge: 1
Registriert: So Sep 06, 2009 8:50 am

mögliche Differentialdiagnose nach negativem Bluttest

Ungelesener Beitrag von julchen » Mo Mär 08, 2010 12:02 pm

Liebes Ärzteteam,

nachdem ich seit einigen Jahren gelegentlich unter Tagesmüdigkeit und Einschlafattacken leide, wurde bei mir in einem Schlaflabor ein leichter Fall von Narkolepsie diagnostiziert. Ich leide NICHT unter Kataplexien, Schlaflähmungen oder Halluzinationen. Obwohl mich die Schlafattacken zuweilen einschränken, habe ich mich gegen die Einnahme von Vigil entschieden.

Im Schlaflabor wurde ein Blutbild, ein Multipler Schlaflatenztest, ein EEG, eine Polysomnographie und ein Vigilanztest (Quatember Maly) durchgeführt. Insbesondere der Schlaflatenztest erhärtete den Verdacht, da ich bei allen fünf Tests sehr schnell einschlief und es auch zu REM-Phasen und SOREMs kam. Der Vigilanztest war jedoch unauffällig. Meine Blutwerte waren in Ordnung, sodass Eisenmangel als Ursache ausgeschlossen werden konnte. Da bei der Untersuchung im Schlaflabor keine Schlaf-Apnoe festgestellt wurde, nehme ich an, dass auch diese Diagnose ausgeschlossen werden kann.

Nun wurde allerdings auch noch mein HLA Typ im Blut getestet. Dieser Test fiel negativ aus. Da dies sehr selten ist bei Narkoleptikern, frage ich mich nun, welche Differentialdiagnosen noch in Frage kommen. Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass mein Vater unter ähnlichen Symptomen wie ich leidet und auch bei ihm eine (noch leichtere) Form von Narkolepsie vor vielen Jahren festgestellt wurde. Er kommt ohne Medikation zurecht.

Ich bedanke mich sehr für Ihre Hilfe!

Beirat
Aerztlicher Beirat d. SNaG
Beiträge: 129
Registriert: Do Nov 16, 2006 11:19 am

Re: mögliche Differentialdiagnose nach negativem Bluttest

Ungelesener Beitrag von Beirat » Do Mär 18, 2010 5:25 pm

Grundsätzlich wird zwischen zwei Formen von Narkolepsie unterschieden: mit und ohne Kataplexie. Bei Narkolepsie mit Kataplexie findet man bei über 90% das HLA (human leukocyte antigen) Subtyp DQB1*0602. Im Unterschied dazu kann man dieses Antigen bei Patienten mit Narkolepsie OHNE Kataplexie nur bei ca. 35% nachweisen. Dass das Testergebnis negativ ausfiel ist also nicht ungewöhnlich.
Die Diagnose ohnehin primär aufgrund der Beschwerden (Tagesmüdigkeit/-schläfrigkeit, Einschlafattacken) und der Untersuchungen im Schlaflabor gestellt.
Zu den häufigsten Differentialdiagnosen bei Narkolepsie ohne Kataplexie zählen: chronische Schlafinsuffizienz, idiopathische Hypersomnie, Schläfrigkeit/Müdigkeit im Rahmen einer Depression, Medikamente. Allerdings ist die Liste der grundsätzlich in Frage kommenden Differentialdiagnosen deutlich länger und kann erst durch die ärztliche Konsultation und die zusätzlichen Schlafuntersuchungen eingeschränkt werden, bzw. auf die Diagnose reduziert werden.
Im geschilderten Fall sprechen - neben der durch den Arzt beurteilten Müdigkeit/Schläfrigkeit/Einschlafattacken - die sehr hohe Anzahl SOREMs und der Ausschluss eines Schlaf-Apnoe-Syndroms, einer weiteren häufigen Ursache für Müdigkeit/Schläfrigkeit.
Aerztlicher Beirat der SNaG

Gesperrt