Diagnose nur über Blutbild???

Unser Ärzteteam beantwortet gerne eure Fragen rund um das Thema Narkolepsie.
Hinweis: über das Internet kann keine Diagnose gestellt werden!
Bitte beachtet die Bekanntmachung vom 27.11.2014.

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DerMarcus
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Diagnose nur über Blutbild???

Ungelesener Beitragvon DerMarcus » Do 27. Sep 2007, 18:09

Liebes Ärzteteam,

ich stehe vor meiner Diagnose und ehrlich - mir graut es vor dem Labor. Nun hat mir ein Arzt erklären lassen, er könne nur über ein "großes Blutbild" eine Narkolepsie zumindest ausschließen. Das klingt für mich fast zu schön um wahr zu sein. Ist das möglich, oder Kaffeesatzleserei. Und wenn ja - ist diese Diagnose auch "verbindlich" oder kann es sein, dass es dann doch Probleme gibt?

Danke für Eure Antwort & Hilfe

Gruß

Marcus

Beirat
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Ungelesener Beitragvon Beirat » Do 11. Okt 2007, 05:38

Die Diagnose einer Narkolepsie kann NICHT durch ein grosses BLut gestellt werden. Letzteres beschreibt nur die zellulären Bestandteile von Blut.

Im Beitrag "HB Wert" finden sich einige Hinweise zur Diangosestellung.

Hier aus diesem Beitrag:
Eine Narkolepsie kann nicht durch einen Bluttest allein diagnostiziert werden. Grundsätzlich wird zur Erstdiagnose folgendes benötigt: die genaue Analyse der Beschwerden, Dokumentation der Tagesschläfrigkeit (Schlaftagebücher und Schlaffragebögen) sowie Untersuchungen im Schlaflabor (Polysomnographie und MSLT (=multiple sleep latency test)). In unklaren Fällen können diese Elemente noch durch eine Untersuchung von Nervenwasser (Hypokretinmangel?) und / oder Blut ergänzt werden.
Aerztlicher Beirat der SNaG

Walter
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Ungelesener Beitragvon Walter » Mi 19. Dez 2007, 13:38

Guten Tag,
wahrscheinlich sind Sie alle bis zum neuen Jahr in Urlaub - es ist Ihnen gegönnt!
Doch nach Ihrer Rückkehr bin ich gespannt auf eine Antwort zu meiner Anfrage wie folgt:

seit einiger Zeit bin ich auch hier im Forum (und hatte mich vorgestellt:
http://www.narkolepsie.ch/forum/viewtop ... sc&start=0 )
und kam im Laufe der Diskussion auf folgende Frage, die in dieses Thema hier hineinpasst:
"Als medizinisch halbgebildetem - in meiner Verwandschaft gab es einen Arzt und entsprechend auch immer mal Gespräche über medizinische Themen - fällt mir auf, dass oft geschrieben wird, es sei unwahrscheinlich, bei einem Patienten die Diagnose "Narkolepsie" zu stellen, wenn sich ein bestimmter Stoff im Blut des Untersuchten nicht nachweisen lasse. Da es aber schon allein in diesem Forum mindestens einen Mit-Leidenden ausser mir gibt, der bezüglich dieser Substanz negativ getestet wurde, stellt sich die Frage, ob es nicht verschiedene Formen der Narkolepsie gibt - solche mit "organischer Veranlagung" (also die HLA-DR2-Positiven), und solche mit exogener (von aussen ausgelöster) Erkrankung, bei denen im Blut nichts nachzuweisen ist."
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir über die schon gegebenen Erklärungen hinaus hierzu etwas schreiben könnten.
Vielen Dank
Walter
das leben ein traum?
...hoffend und duldend...

Beirat
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Ungelesener Beitragvon Beirat » So 30. Dez 2007, 16:56

Die Diagnose einer Narkolepsie stützt sich primär auf die typischen Beschwerden. Im Einzelfall wird die Bestimmung des Hypocretin- (Orexin-)Spiegels im Liquor ("Nervenwasser") oder eine HLA-Klasse-II-Typisierung aus dem Blut notwendig. Letztere Typisierung gibt Hinweise auf eine genetische Veranlagung für Narkolepsie (HLA-DR1 Assoziation bzw. DQB1*0602 Assoziation, d.h. Menschen mit diesem Typ des HLA-„Stoffes“ haben ein erhöhtes Risiko an Narkolepsie zu erkranken). Es ist allerdings nicht bekannt, ob dies die einzige Form von genetischer Veranlagung ist. Es ist bislang auch nicht bekannt, welche Faktoren zusammenkommen müssen, damit eine Narkolepsie entsteht und daher kann noch keine genaue Aussage darüber getroffen werden, welche Rolle die genetische Veranlagung dabei spielt. Aufgrund der Komplexität dieser Erkrankung erscheint die Einteilung „exogene“ versus „endogene (organische Veranlagung)“ Ursache als eher zu einfach.
Aerztlicher Beirat der SNaG


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