Narkolepsie und ADHS - verwandt?

Diskussionen um Schlafapnoe, RLS, Idiopathische Hypersomnie und ähnliche Schlafstörungen

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Pantera
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Narkolepsie und ADHS - verwandt?

Ungelesener Beitragvon Pantera » Sa 3. Dez 2005, 13:40

Seit mehreren Jahren habe ich ziemlich gravierende Probleme mit meiner Tochter (7). Jetzt bin ich beim verzweifelten Surfen im Netz auf ADHS gestoßen - und sie hat mindestens 90 Prozent der dort geschilderten Symptome!!! Ich will die Diagnose noch von einem Arzt absichern lassen, bin mir aber bereits recht sicher.

Ich selbst bin an Idiopathischer Hypersomnie erkrankt, was ja auch eine Gehirnstoffwechselstörung ist.

Hat jemand von euch schon mal gehört, dass diese beiden Krankheiten verwandt sind bzw. auf diese Weise vererbt werden können? Ich vermute nämlich, dass meine Tochter aufgrund genetischer Vorbelastung erkrankt ist. Deshalb habe ich jetzt zwar keine Schuldgefühle, aber es interessiert mich einfach, ob es dazu schon Erkenntnisse gibt.

Danke & viele Grüße

Pantera

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Narki
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Ungelesener Beitragvon Narki » Mo 5. Dez 2005, 08:45

Hallo Pantera

An einem Treffen von uns wurden bereits einmal die Ähnlichkeiten
zwischen Narkis und ADS-Betroffenen diskutiert. Einige
Verhaltensweisen sind tatsächlich identisch, doch die URSACHE ist
komplett VERSCHIEDEN.

Ein Beispiel: Konzentrationsstörungen
Narkoleptiker können sich sehr gut konzentrieren und zielgerichtet
arbeiten, wenn sie richtig wach sind. Narkoleptiker können Prioritäten
setzen und eine Aufgabe nach der anderen erledigen.
Konzentrationsstörungen treten nur bei Müdigkeit auf (manchmal trotz
Medis). ADS-Betroffene verzetteln sich ständig und bringen keine
Struktur in ihre Arbeitsabläufe hinein.

Weiteres Beispiel: Fragmentierter Schlaf:
Narkoleptiker haben einen fragmentieren Nachtschlaf, der sich meist im
gleichen Rhythmus durch den Tag zieht - auch hier vorausgesetzt, dass
das Bild nicht durch Medikamente verändert wird.
ADS-Betroffene schlafen manchmal auch nur 4 Stunden, können aber
locker auch 12 Stunden am Stück schlafen. Das schafft ein Narki nie.

Bei uns in der Schweiz wird die Diagnose Narkolepsie immer erst
definitv nach dem Besuch im Schlaflabor gestellt. Narkoleptiker
beginnen den Schlaf mit dem REM-Schlaf, ADS-Betroffene nicht.
Der Narki schläft meist in den ersten Minuten ein, ADS-Betroffene
haben Mühe, einzuschlafen.

Persönlich denke ich, dass Narkis oftmals ihren ureigenen Rhythmus
unterdrücken und negieren. Das "rächt" sich jedoch postwendend, in dem
der Narki durch die Übermüdung automatische Handlungen ausführt,
unkonzentriert wird, grummelig wird.

weitere Infos findest Du auf www.adhs.ch

Ich bin nicht medizinisch geschult und habe auch von der Vererbung keine Ahnung. Dennoch hoffe ich Dir mit den Angaben weiterhelfen zu können.

Gruss,
Narki

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Ungelesener Beitragvon Grinsekatze » Mo 5. Dez 2005, 14:43

Hallo Narki, hallo Pantera,
Anläßlich des Postings von Narki hier, kam mir da gleich eine neue Frage, die ich allerdings bei den Verwandten Schlafstörungen gepostet hab. Vielleicht auch interessant für Euch!?
glg
Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.
(Erich Kästner)

bobby
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Re: Narkolepsie und ADHS - verwandt?

Ungelesener Beitragvon bobby » Mo 5. Dez 2005, 14:58

Hallo Pantera, hallo Narki,

eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ADHS und Narkolepsie kann acuh ich nicht verhehlen.

Narki hat geschrieben:...doch die URSACHE ist
komplett VERSCHIEDEN.

Ein Beispiel: Konzentrationsstörungen
Narkoleptiker können sich sehr gut konzentrieren und zielgerichtet
arbeiten, wenn sie richtig wach sind. Narkoleptiker können Prioritäten
setzen und eine Aufgabe nach der anderen erledigen.
Konzentrationsstörungen treten nur bei Müdigkeit auf (manchmal trotz
Medis). ADS-Betroffene verzetteln sich ständig und bringen keine
Struktur in ihre Arbeitsabläufe hinein.

Weiteres Beispiel: Fragmentierter Schlaf: ...


Als ich noch ganz klein war (6 oder 7 Jahre), hat meine damalige Grundschullehrerin mal einen kleinen Film von der damaligen Klasse während eines Tagesausfluges gedreht. 25 Jahre später hatten wir ein Klassentreffen und dabei wurde dieser Film gezeigt. Nun ja, dort konnte ich mich mal "live" :roll: erleben - um es kurz zu machen: Heute würden solche Kinder wohl die Diagnose "ADHS" bekommen. Konzentrationsstörungen (->Narki) waren bei mir allerdings nicht bekannt...

Die eigentlichen Symptome der Narkolepsie traten erst mit Mitte 20 auf (also fast 20 Jahre später). Dies kann natürlich Zufall sein.

Zum zerstückelten Nachtschlaf kann ich sagen: Ich wache zwar auf, freue mich dass ich noch ein paar Stunden habe, und schlafe eigentlich innerhalb von ein paar Sekunden wieder ein. Das passiert zwei- bis viermal die Nacht. Der Schlaf ist also auch nur mäßig "zerhackt". Ich kann so bis zu 30(!) Stunden schlafen (12 Stunden gehen sehr einfach) - ohne mich allerdings danach besser zu fühlen (schlechte Schlafqualität). Zusätzlich tun mir dann allerdings die Knochen (Rücken, Becken etc..) vom langen Liegen weh :? .

Deshalb finde ich die Ähnlichkeit auch ziemlich naheliegend. Außerdem werden ja ADHS-Patienten, wie Narkoleptiker, weltweit mit Ritalin (=Methylphenidat) behandelt.

Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass ich ein Narkoleptiker bin, der früher (immer noch?) zusätzlich an ADHS (leidet) litt :shock: .


Grüsse bobby
D 2017: Wahlen kommen und gehen - die Politik bleibt (Merkel, Merkel, Merkel) :evil:

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Ungelesener Beitragvon Herbert » Mo 5. Dez 2005, 20:09

Mit ADHS kenn ich mich nicht gut aus, aber in DE wird diese Diagnose oft sehr leichtfertig verteilt.

Nichtsdetotrotz ist ADHS recht gut behandelbar ( Medis / Ergotherapie )

In der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft" war vor einigen Jahren eine lose Artikelserie über die Neurologie von ADHS und Verwandten. (Ich komm an mein Archiv zur Zeit nicht ran, und weiß nicht mehr genau wo und wann das genau war )


LG Herbert

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Ungelesener Beitragvon Pantera » Mo 12. Dez 2005, 12:09

ERst mal danke für eure Postings. So ganz zum Kern der Sache bin ich leider noch nicht vorgedrungen, denn mich interessiert ja besonders, inwieweit die physiologischen Ursachen von Narkolepsie/Hypersomnie und ADHS miteinander verwandt sind.

Beide Erkrankungen werden ausgelöst durch mangelhaft transportierte Botenstoffe im Gehirn - das steht fest. Die Auswirkungen sind natürlich ganz verschieden, und auch mit dem Schlaf hat das gar nichts zu tun.

Dass N. wie ADHS mit Ritalin behandelt werden kann, ist eher Zufall. Bei ADHS-Patienten hat Ritalin eine so genannte paradoxe Wirkung, das heißt, es putscht nicht auf, sondern verbessert den Gehirnstoffwechsel und versetzt den Patienten somit in die Lage, unwichtige Reize wegzufiltern und sich zu konzentrieren.

Trotzdem deutet diese Tatsache natürlich auf Parallelen hin!

Vielleicht gibt es ja noch weitere Erkenntnisse hierzu, das würde mich freuen.

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ADHS und oder Narkolepsie

Ungelesener Beitragvon Schlafmuetze » Fr 17. Mär 2006, 00:37

HAllo
als Mitglied der Deutschen Geselllschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin bin kann ich von einem der letzten Kongresse berichten:
Bei Kinderschlaflaboren ist bekannt, das Verhalten wie bei ADHS bei Kindern oftmals auch eine Kompensation darstellt, von Kindern die z.B. eigentlich NArkolepsie haben. Eine Differentialdiagnose wäre hier wichtig.
Hoffe ich hab mich jetzt nicht wieder zu kompliziert ausgedrückt wollte es kurz machen
Kinderschlaflabor: Dr. Paditz Dresden, oder in Fürth
S-mütze

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Ungelesener Beitragvon Zottel » Fr 19. Jan 2007, 01:08

Hallo,

bei mir wurde vor kurzem auch ideopathische Hypersomnie nach einem Aufenthalt im Schlaflabor und einem weiteren MSLT diagnostiziert. Ich selbst bin mir da aber nicht so sicher. In meiner Verwandschaft ist ein Neurologe der mich seit meiner Kiindheit kennt, und er machte mich, als ich mit ihm über meine ständige Müdigkeit unterhielt darauf aufmerksam, dass ich, so wie er mich kenne, auch unter ADS leiden könnte. Dies hatte ich mir bis dahin auch nie vorstellen können, zumal ich durch die Schule z.B. problemlos durchgekommen bin (von meiner katastrophalen Handschrift mal abegsehen). Ich hatte mich daraufhin dann mal genauer darüber informiert und tatsächlich 90% der Symptome trafen auf mich zu. Dabei ist dies tatsächlich schon seit meiner Kindheit so, damals war ich wirklich aufgedreht und hatte nie mit Müdigkeit zu kämpfen, ungefähr so halt, wie man sich ein hyperaktives Kind vorstellt. Erst in der Abiturphase fing es an, dass ich zunehmend müder wurde und immer mehr auch in der Schule schlief. Später im Zivildienst schlief ich bei der Arbeit ständig ein, auch wenn mein Nachtschlaf immer über 10 Stunden lang war. Das wurde dann immer schlimmer, so dass ich nahezu jeden Tag nur noch im Dämmerzustand verbracht habe und Schlaf keine Abhilfe schuf. Zudem war es bei mir jedoch auch so, dass diese Symptome wenn ich auf ein Thema hyperfokussiert war, nur selten auftraten, so kamen manchmal beächtliche Leistungen zustande, wohingegen ich bei den simpelsten Alltagsdingen einfach scheiterte oder das 10fache der normal benötigten Zeit brauchte. So konnte ich in meinen Papierkram einfach kein System bringen, das Verständnis äußerst komplexer Zusammenhänge war, solange es mich interessierte, in einem Bruchteil der üblich benötigten Zeit erledigt und bei solchen Dingen hatte ich auch ein gutes Gedächtnis. Im Studium schlief ich dann bei nahezu jeder Vorlesung ein, inzwischen habe ich endlich die Diagnose idiopathische Hypersomnie. Ich bin immernoch recht überzeugt davon, daß die dahinterstehende Ursache ADS ist, da sich all das unter den Symptomen beschriebene wie ein roter Faden durch mein Leben zieht, ich hoffe nun mit meinem Neurologen einen Versuch mit Ritalin zu starten und mal zu sehen, ob sich nicht vielleicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen...

Schlafmuetze
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Ungelesener Beitragvon Schlafmuetze » Fr 19. Jan 2007, 13:48

HAllo
also bei ADS und NArkolepsie ist eine Beeinflussung (vorsichtig ausgedrückt) des Dopaminstoffwechsels vorhanden - hierin ähneln sich also beide.
Wenn euer Neurologe dich von Kindheit auf kennt...
lies auch im Internet unter Asperger Syndrom nach und versuche erst herauszufinden welches von beisen (ADS, oder Asperger) vielleicht eher zutrifft, auch hier liegt eine Störung in der Reizverarbeitung vor, nur dass hier zuviele Reize innerhalb kürzester ZEit ganz stark zu ermüdungserscheinungen führen, ähnlich wie bei ADS die sie nicht mehr kanalisieren können und dann gereitzt werden, oder bei NArkolepsie ähnelt das ERscheinungsbild dem plötzlichen Schlaflanfall ( auch wenn der nicht unbedingt immer mit reizüberflutung zusammen hängt) oder der gereitzheit, wegen Müdigkeit.
Dann frag noch mal deine Eltern und euren Bekannten neurologen
mütze

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Ungelesener Beitragvon Binchen » Sa 20. Jan 2007, 00:17

Hallo Bobby!!!

Du hast geschrieben das Dir nach längerem schlafen die Knochen, Becken, Rücken ecta. wehtun. Kann das auch von der Narkolepsie kommen???? :?:

Liebe Grüssle Bine


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